Nach einer zweitägigen Präsidiumsklausur hat Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) am 12. Oktober 2026 angekündigt, die Stromsteuer auf das europäische Mindestmaß zu senken. Was nach einer technischen Randnotiz klingt, kann für alle mit Wärmepumpe oder Elektroauto spürbar werden. Hier die Fakten – und meine Einschätzung, warum sich das lohnen würde.
Was genau angekündigt wurde
Die Stromsteuer liegt in Deutschland seit 2003 unverändert bei 2,05 Cent pro Kilowattstunde. Das EU-Mindestmaß für private Haushalte liegt bei nur 0,1 Cent pro Kilowattstunde. Käme die volle Absenkung, würde sich das direkt auf dem Stromzähler bemerkbar machen:
Das entspricht einer direkten Entlastung von rund 1,95 Cent pro Kilowattstunde. Durch den Wegfall der darauf anfallenden Mehrwertsteuer kommt laut einer Analyse des Fachportals zfk.de noch einmal etwas obendrauf – real wären es dann rund 2,3 Cent pro Kilowattstunde. Bei einem Jahresverbrauch von 4.000 kWh (Durchschnittshaushalt mit Wärmepumpe liegt oft deutlich höher) wären das in der Größenordnung von 90 bis 100 Euro im Jahr. [BELEG FEHLT: offizielle Regierungsrechnung zur Gesamtentlastung pro Haushalt liegt noch nicht vor]
Warum jetzt und was noch fehlt
- Hintergrund: Die Senkung war bereits 2025 im Koalitionsvertrag von CDU/CSU und SPD vereinbart, wurde aber mangels Haushaltsspielraum zurückgestellt.
- Finanzierung: Merz begründet die Ankündigung mit nach oben korrigierten Wachstumsprognosen (von 0,5 % auf 1,3 % für 2026), die neuen finanziellen Spielraum schaffen sollen. Für 2026 sind 6,5 Milliarden Euro vorgesehen.
- Noch offen: Der Koalitionspartner SPD muss der Umsetzung noch zustimmen, ein konkretes Datum für das Inkrafttreten gibt es bisher nicht.
Die Grünen-Vorsitzende Franziska Brantner äußerte sich öffentlich skeptisch und will die Ankündigung erst glauben, wenn sie tatsächlich beschlossen ist. Diese Zurückhaltung ist nicht unbegründet: Für Teile der Industrie (Produzierendes Gewerbe, Land- und Forstwirtschaft) gilt das EU-Mindestmaß bereits seit 2026 – bei privaten Haushalten steht die Umsetzung noch aus.
Aus meiner Sicht als Energieberater ist die Senkung richtig und sinnvoll – sofern sie tatsächlich kommt.
Sie macht das Heizen mit einer Wärmepumpe noch attraktiver, denn der Kostenunterschied zwischen Strom und fossilen Energieträgern wie Öl oder Gas wird dadurch noch größer. Wer ohnehin über einen Heizungstausch nachdenkt, bekommt hier ein zusätzliches Argument.
Noch handelt es sich um eine Ankündigung, kein beschlossenes Gesetz. Trotzdem lohnt sich schon jetzt ein Blick auf die eigene Situation:
Laufende Heizkosten vergleichen. Wer noch mit Öl oder Gas heizt, sollte sich den aktuellen Kostenabstand zur Wärmepumpe ansehen – er wird mit einer niedrigeren Stromsteuer noch größer.
Förderung nicht aus den Augen verlieren. Die Stromsteuer-Senkung ersetzt keine Heizungsförderung – beides zusammen gedacht ergibt den größten Hebel.
Nicht auf das Gesetz warten, wenn eine Entscheidung ohnehin ansteht. Eine mögliche Entlastung sollte kein Grund sein, einen nötigen Heizungstausch unnötig hinauszuzögern.
Du willst wissen, wie sich eine Wärmepumpe für dich konkret rechnet?
Schreib mir auf WhatsApp →Quelle: Handelsblatt, „Merz kündigt günstigeren Strom an und kämpft ums Vertrauen", 12.10.2026, mit ergänzenden Angaben zu Stromsteuersätzen und Entlastungswirkung aus Berichten von tagesspiegel.de und zfk.de.
